BIOGRAFISCHES I "MEIN" DAUMIER I DAUMIERS ENKEL I EINGANGSSEITE


Honoré Daumier und seine persönliche Beziehungen zur Justiz

Nachdem die Restauration Frankreichs durch die Abdankung Karls des 10. erst einmal beendet schien, machte sich die junge Intelligenz der 1830er Jahre daran, das geistige Erbe der französischen Revolution neu zu gestalten, - insbesondere durch eine kritische Haltung zu Klerus und Obrigkeit.  Mit „La Caricature“ entstand die erste Zeitung mit Karikaturen, - herausgegeben von Charles Philipon, einem ebenso mutigen wie künstlerisch versierten Verleger, der um sich herum die besten Zeichner und Karikaturisten seiner Zeit versammelte, - unter ihnen natürlich auch Honoré Daumier, damals 23 Jahre alt.

Schon mit 14 Jahren kommt Daumier zu juristischem Sachverstand, indem er als Lehrling eines Pariser Vollstreckungsbeamten Zeuge von Exmittierung armer Mieter wird. Eine weitere Erfahrung mit der Justiz ist 1831 seine Verurteilung wegen Majestätsbeleidigung, die er einer Karikatur gegen den „Bürgerkönig“ Louis Philippe verdankt.

  gargantua
„Gargantua

Er verbüßt tatsächlich 6 Monate im Gefängnis und bezieht dann Wohnung und Atelier nahe dem Palais de la Justice in Paris. Von dort aus führen ihn seine Wege immer wieder ins Gericht, wo er die Prozesse mit unbestechlichem Blick beobachtet und unmissverständlich ausdrückt, was er von dieser Justiz hält, - etwa 1835 nach dem großen Aufstand zweier Armenviertel in Paris, deren Anführer von der Militärjustiz verurteilt wurde.

freies wort
„Das freie Wort“

Daumier positioniert sich unübersehbar gegen den Geist der Bürgermonarchie, der sich im Ausspruch des seinerzeitigen Wirtschaftsministers Guizot zusammenfasst: „Bereichert Euch - Enrichez vous“, - ein Motto, das gerade in Zeiten einer absoluten Freiheit des Finanzkapitals aktueller ist denn je. 

1845 nimmt Daumier den großen Zyklus „le gents de la justice“ in Angriff und führt die grafische Justizkritik mit über 80 Bildern zu ihrem Höhepunkt: die Diskrepanz von hehrem Anspruch und lächerlicher Praxis, die hohle Phrase, die überdimensionierte und eingeübte Geste, Geldgier und den Dünkel, - „in Daumiers Bildern reden Menschen so, wie sie reden würden, wenn sie sich wirklich zeigten, wie sie sind.“
(C. Veth, der Advokat in der Karikatur, Berlin 1923)

Daumier
Foto von Honoré Daumier